1. 8. 2005

Nun zum Essen bin ich nicht mehr so schnell gekommen. Ich bin ein bisschen in der Altstadt rumgelaufen um was zu essen zu besorgen und nach einem WLAN Internetcafe zuschauen. In den Müllhaufen tummelten sich die zaundürren Katzen. Gegen manche von ihnen ist unsere Winz-Katze Nice ein Löwe.  Habe dann ein paar Deutsche getroffen die gerade für zwei Wochen Israel besuchen. Wir sind dann zusammen durch die Altstadt und zur Klagemauer. Ganz abgesehen davon, dass es doch irgendwie extrem ist am ersten Tag in Israel gleich diesen berühmten Ort zu besuchen war auf dem Platz davor einiges geboten. Eine Gruppe von Soldaten fing auf ziemlich mitreißende Art an zu tanzen und zu singen. Der Platz starrte vor Waffen, meine anfängliche Vermutung, dass die Soldaten mit schwarzen Baretten Scharfschützen sind hat sich nicht bewahrheitet aber sie waren jedenfalls recht zahlreich. Dem Tanzen und Singen schlossen sich immer mehr Zivilisten an und sogar ein Rabbi, der in die Mitte des Kreises hupfte und einen Salto-Purzelbaum zum besten gab. Man stelle sich einfach mal so ne Aktion auf dem Münchner Marienplatz vor - hier wirkts noch extremer. Eine Frage beschäftigt mich jetzt hier ein bisschen: Wieviele von denen die wie Finnen ausschauen (nach Imre Kertesz: Fin Warschau. Fin Berlin. Fin Prag.) Sind tatsächlich Jiddisch Muttersprachler und welcher Anteil hat Hebräisch als Muttersprache. Jedenfalls ist das Straßenbild in Jerusalem von Finnen geprägt. Man sieht auch recht viele männliche orthodoxe Juden einen Kinderwagen vor sich herschiebend. So ein Bild kanns in Deutschland ja schon deshalb nicht geben weil es keine Kinder mehr gibt – die wenigsten Männer scheinen sich aber auf dafür berufen zu fühlen (daraus darf man ihnen freilich keinen Strick drehn. Es erinnert sie wohl nur zu sehr an Einkaufstorturen mit ihren Frauen).

Heute hab ich meine Wohnung bezogen. Lange Bustour zur Uni weil ich von zwei Idioten in den falschen Bus verwiesen wurde. Ein orthodoxer Brite hat mir dann den richtigen gezeigt. Naja so bin ich zum zweiten Mal zur zentralen Busstation gekommen. Ort der berüchtigten Terroranschläge.

Die Uni liegt in exzellenter Lage auf dem Skopusberg mit Blick über die Stadt. Sie ist architektonisch äußerst gelungen. Verschiedene Steingebäude schließen unterirdisch aneinander an (so dass man nicht ins unklimatisierte Freie muss. Dazwischen liegen terrassierte Freiflächen auch mit ein bisschen Grün. Die Gebäude tragen die Namen verschiedener Stifter wie zum Beispiel Frank Sinatra Student Center. Die verschieden Eben und die Berglage und Anordnung der Gebäude lassen die Uni bisher als ein 3-D Labyrinth erscheinen. Der Eindruck scheint über Dauer bestehen zu bleiben. Ein Dozent mit dem ich mich unterhalten hab meinte er kenne sich nun seit Jahren hier nicht aus. Und als ich ein bestimmtes Gebäude suchte nämlich den Senat! kannten es mehrere Menschen nicht (zumindest unter dem Zweitnamen). Noch kurz zur Wohnung:  

Im Hightechland Israel ist sie nicht nur ohne WLAN (davon war ich wirklich ausgegangen) sondern hat gar keinen Telefonanschluss. Angeblich handelt es sich um einen vierzig Jahre alten Bau der nie verändert wurde. Den Vergleich mit Glasgow kann mein Zimmer nicht bestehen. Es hat ungefähr ein Sechstel des Volumens. Sie liegt aber sehr nahe am Campus und so schlimm ist es dann auch nicht. Ach ja für mich amüsant-positiv. Ein Israeli hat mich für einen Engländer und eine Kanadierin für einen Australier gehalten. Dumm von der Seite angemacht wegen meines Germanentums wurde ich noch nicht - allenfalls eine gewisse Zurückhaltung meinte ich gefühlt zu haben - aber das kann natürlich Einbildung oder meinem unangenehmen Charakter geschuldet sein.. Dank der vielen schwedischen Juden, die in den USA und sonstwo zu leben scheinen, werd ich wohl aber auch oft für eben so einen gehalten. Hier unten eines der Uni-Gebäude (ich glaube die Juristen sitzen hier)