Ein Jahresaufenthalt in Israel kommt immer näher und langsam beginnen Vorfreude und Packstress. Gerade in diesen Wochen mit den Terroranschlägen in Europa wurde die mediale Aufmerksamkeit wieder auf Israel gelenkt und von  einigen Autoren Vergleiche angestellt und Parallelen gezogen. Der Papst allerdings hat nur der Toten in Europa, der Türkei und Ägypten gedacht – die Opfer in Israel hat er ausgeklammert, was (wohl berechtigte) Proteste verursachte. Hat er sie wirklich einfach vergessen, oder steckt doch mehr dahinter? Den Israelis wird ja gerne vorgeworfen sie seien selbst schuld (das meinen oft auch Leute, die als denkende Menschen die Aussage: Die Mini-tragende Frau ist selbst schuld, wenn sie vergewaltigt wird, entrüstet zurückweisen würden. Aber in unserem Fall scheint der Täter nicht schuld zu sein, er wurde ja vom Westen gedemütigt). Vielleicht gehört Ratzingerius Pontifex auch zu denen? Wie dem auch sei: Der Boden wird mir hier zu heiß, und weil in Europa unbescholtene Brasilianer und nicht Terroristen erschossen werden kann man sich vielleicht bald in Jerusalemer Bussen sicherer fühlen als in Londoner U-Bahnhöfen.

 

Interessant wird es gerade in der Anfangszeit sein, weil in diese der Abzug aus dem Gazastreifen fällt. Die 8.000 Israelis die dort unter 1,2 Millionen Arabern leben und nur mit einem enormen Aufwand beschützt werden konnten, müssen ihre Wohnungen verlassen. Eines der Opfer, so wird befürchtet, könnte Scharon sein, das Schicksal Rabins teilend – getötet von einem radikalen Nationalisten (die sich nebenbei der ukrainischen Freiheitsfarbe Orange bedienen um ihre Position in der Öffentlichkeit erstrahlen zu lassen). Dass einer der Väter, wenn nicht: Das Symbol der Siedlerbewegung diesen Abzug durchzuziehen gewillt ist, ist jedenfalls erstaunlich. Deutsche Kommentatoren werden dennoch nicht müde nur das Schlechte vermutend herauszustellen, dass dieser Abzug nur passiert um dann „die Siedlungen im Westjordanland zu behalten“. Besonders lächerlich dabei ist, dass dies mit einem investigativen Pathos passiert, als ob der Journalist besonders gewieft sein müsse um solche Motive „aufzudecken“. Absurd ist dieser Ductus vor allem deshalb, weil klipp und klar gesagt wurde: „Wir werden diese Siedlungen abbauen, aber die vier größten israelischen Städte im Westjordanland werden behalten.“ Ich empfinde solche journalistischen Aussagen, vor allem deshalb als störend, weil sie nicht den anderen Teil der Scharon’schen Politik, die in diesem Satz zum Ausdruck kommt beleuchten, eben dass alle anderen Siedlungen durchaus zur Verhandlungsmasse gehören und von einem Behalten aller Siedlungen keinesfalls die Rede sein kann.

 

Wenn es um den Nahostkonflikt geht kommt es natürlich schnell zur Gretchenfrage: Wie hältst du’s mit den Kriegsparteien? Interessant wäre natürlich die Frage, ob sich irgendwas in der Einstellung ändert, wenn man Eindrücke aus erster Hand sammeln kann. Ich bezweifel es jedoch. Man sucht sich immer die Fakten und die Wahrheit die man braucht. Eine vorgefasste Meinung zum Konflikt wird dadurch also sicher fundierter, wortgewaltiger und mit angesammelten Argumenten vorgetragen werden können – objektiver wird sie dadurch noch lange nicht.

 

Diese Aussagen beziehen sich natürlich nicht auf mich, weil ich bereits eine objektive Sicht der Dinge vertrete und gegen subjektive Gedanken gefeit bin.

 

Meine Einstellung ist sicherlich pro-israelischer als die der deutschen Durchschnittsbevölkerung, was keine Kunst ist. Als bayrischer Nationalist empfinde ich jedoch grundsätzlich auch hier Sympathien für die Kleinen und stimme auch hier für das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Wie bei den Schotten und Korsen im Übrigen ja auch. Obwohl die letzteren solche Rindviecher sind und meines Bruders Villa auf Korsika in den erdnahen Orbit geblasen haben. Gegen beide Völker da unten bringt mich auf, dass sie das Schwein nicht (verz)ehren und ich deshalb für beinahe ein Jahr wieder auf die geliebten Schweinereinen, verzichten werden muss. Das Knödelpulver hätt ich sonst schon eingepackt.

 

Ich weiß nicht wie oft ich zu einer Kolumne über den Nahe Osten kommen werde. Ich werd mich aber bemühen meine Eindrücke von Zeit zu Zeit zu schildern.

 

Bis demnächst also: Servus