Das hier kann man kaum als Bericht bezeichnen, aber ich wollte euch ein spaßiges Bild zeigen, nämlich einen Sprengstoff-Roboter, der heute Nachmittag bei uns im Wohnheim aufgekreuzt ist. Es gab wohl einen verdächtigen Gegenstand auf dem Gelände und die Polizei hat das Ding dann hin- und hercrusen lassen. Die halbwilden Müllkatzen fanden es wohl auch ganz spannend und sind um das Ding rumgestreunert. Das Bild ist von meiner Küche aus aufgenommen, leider war es natürlich nicht möglich, auf paar Meter an die vermeintliche Bombe ranzugehen um das ganze in Action zu sehen. Mein Mitbewohner hat mir erzählt, dass wohl auch im Fitnessstudio heute ein verdächtiger Rucksack gefunden und hochgeblasen wurde. Tja Samstage sind halt etwas langweilig.

Ist es nicht schön den Katastrophen-Touristen zu geben. Ich mein, wenn man sonst einen kriegerischen Konflikt erleben will, muss man in ein Dritte-Welt-Land gehen. Da gibt es kein gesundes Wasser, kein anständiges Fernsehen, keine so hübschen Frauen und auch die Flugverbindungen sind teurer. Kein Wunder also, dass sich sämtliche Journalisten der Welt auf Israel konzentrieren. Hier hat man allen Luxus der Welt, kann gut Essen gehen, etc. und hat trotzdem superspannende Geschichten zu erzählen, kann den moralischen Zeigefinger erheben und Vieles mehr. Und dank guter Infrastruktur und einer liberalen Gesellschaft ist es nicht einmal ein Problem, Informationen außer Landes zu bringen. Besser hatten es nur die Journalisten, die von Saddam eingeladen wurden, in seinen Hotels zu leben, während sie über die bösen Amerikaner berichteten, die einen etwas robusteren Präsidenten beseitigen wollten. Und das alles im eklatanten Ignorieren der Souveränität des irakischen Dikta Volkes.

Der gefährliche Stuff wird hier natürlich auch wieder von angeheuerten Photographen gemacht. Das hat auch noch einen anderen guten Grund.. Die Palästinenser haben es nämlich nicht sehr gerne, wenn ein Ausländer Photos über ihren Kampf schießt. Es ist doch für die Publicity viel besser, wenn nur Photos an dpa, Reuters und wie sie alle heißen gehen, die von einem Palästinenser geschossen wurden, damit auch ja die richtigen Bilder in der Welt zu sehen sind.

Gestern war ich zum Abendessen in Akko, übernachtet haben wir dann in Netanja. Netanja ist eine französische Rentnerkollonie am Meer. Das bedeutet Crepes. Hmmm. Bei dem Trip sind wir in wenigen Stunden durch halb Israel gekommen. Ephraim Kishon hat das Phänomen etwa folgendermaßen beschrieben:

Hey was macht ihr heute?

Wir schaun uns ganz Israel an.

Und was macht ihr am Nachmittag?

Als wir da in Akko am Meer in einem griechischen Restaurant saßen, ging ein Feuerwerk los und meine amerikanischen  Freunde sind vor Schreck fast ins Wasser gefallen, ich selbst war natürlich "ubercool" (sic!). Sie meinten natürlich es sei Gewehrfeuer gewesen. Später mussten wir mitten durch die Hochzeitgesellschaft stiefeln, was etwas peinlich war. Die haben uns jedoch sogar was zu Essen angeboten. Araber lieben Feuerwerke bei Hochzeiten. Ernsthaft. Praktisch jeden Tag scheint hier jemand zu heiraten und lässt bunte oder auch farblose Salutschüsse in den Abendhimmel von Jerusalem ab. Ein sehr schönes Bild, wie ich meine. Jedenfalls kann man an der Hochzeitsfrequenz auf das arabische Bevölkerungswachstum schließen... Pfeil nach oben.

Ich glaube ich habe bereits einmal erwähnt wie ganz anders es ist, in einer Nicht-Rentner-Gesellschaft zu leben, wo man tatsächlich Kinder!!! in den Straßen sieht. Die orthodoxen Juden tragen natürlich neben den Arabern auch ihren Teil dazu bei, was zu Ängsten und Aggressionen bei ihren sekulären Landsleuten führt, die befürchten, bald in einem quasi-theokratischen Staat leben zu müssen, weil sie hoffnungslos in der Minderheit sind. Das dauert aber noch eine Weile und wenn man mal an der Küste ist, spürt man wenig von den Orthodoxen. Auch im Fernsehen sieht man nichteinmal Kippa-Träger, ganz abgesehen von den Typen mit den schwarzen Hüten (wow das reimt sich).

Zu den Kindern nochmal: Ein Bild, dass ich jetzt schon öfter gesehen habe, war, dass so ein 3-Jähriges rumflennt und die Mutter kümmert sich mal null darum und ignoriert es. Das fünfjährige Geschwist hingegen, hebt es hoch und versucht es zu trösten. Fünfjährige steuern, wie es scheint, ihre kleinen Geschwister auch durch die ganze Stadt in den Kindergarten, oder wohin auch immer, ohne jegliche elterliche Aufsicht.

Noch was über arabische Kultur: Araber haben diesen unangenehmen Fable für geschmacklose Jammerliebesschmalzmusik. In jedem (kein Scherz) einzelnen Song kommt das Wort Habibi vor, was glaub ich Schatz bedeutet. Jedenfalls, der hormongesteuerte arabische Sänger winselt dann stundenlang herzerwärmend aber ohrschädigend und wie es scheint erfolglos um seine Angebetete. Da ist was falsch mit dieser Kultur. Warum ist der Typ immer der Verlierer? Warum kommt er nicht ein einziges Mal, KEIN EINZIGES MAL! dazu, mit den Beatles zu singen: "I got you Babe!"? Was das für Auswirkungen auf den Nahostkonflikt hat, weiß ich nicht zu sagen, aber das sollte dringendstens einmal erforscht werden. Ernsthaft. Die Musik ist ein langweiliger Kitsch mit mal gar nicht durchschaubaren Melodien und der furchtbarsten Keyboard-Instrumentierung die man sich vorstellen kann. Wären die arabischen Staaten am Eurovision-Song-Kontest beteiligt, sie würden sowas von abräumen. Homosexualität ist freilich immer noch nicht so en vogue im Islam. Das dauert also noch ein wenig.